Wirtschaftsteil im Südkurier

Je dunkler die Zeiten, desto heller glänzt
Gold. Ernst Weber kann dies nur bestätigen. In seinen drei Geschäften in
Villingen-Schwenningen, Tuttlingen
und Zimmern o. Rottweil beleiht
er nicht nur Altgold, Edelmetalle
und Goldschmuck, sondern er
kauft an und schmilzt die Ware ein.
Entspannt sitzt Ernst Weber an seinem
arbeitsplatz in Zimmern, der mit Sicherheitsglas
und Videokameras gesichert
ist, und wartet auf Kundschaft. Die lässt
nicht lange auf sich warten, die Talfahrt
der Finanzmärkte haben den Goldpreis
in Rekordhöhen getrieben. "Seit Anfang
der Krise haben wir doppelt so
viele Kunden wie zuvor. Man wandert
wieder ins Gold. Für viele ist das eine
langfristige Anlage gegen die Inflation",
erklärt der 52-Jährige, der neben dem
Edelmetallgeschäft auch alle Dienstleistungen
einer Scheideanstalt anbietet.
Auch das Beleihen von Gegenständen
gehört zu seinem Serviceangebot:
Deutschlands Pfandleihhäuser boomen.
Mit einer Million Kunden, 2 Millionen
Kreditverträgen und einer Darlehenssumme
von 510 Millionen Euro ging für
die Branche kürzlich das erfolgreichste
Jahr in der Geschichte zu Ende, wie der
Zentralverband des deutschen Pfandkreditgewerbes
(ZdP) mitteilte. Für 2009
erwarten die rund 200 privaten Leihhäuser
weiteres Wachstum. "Das Geschäft
nimmt jährlich um 30 bis 40 Prozent zu",
freut sich Ernst Weber, der Anfang März
eine weitere Filiale in Singen eröffnet.
Zu den häufigsten beliehenen Werten bei
Webers Pfandleihhaus gehören hochwertige Uhren, Schmuck oder Gold,
aber auch Autofelgen, Baumaschinen,
elektronische Geräte oder Kunstgegenstände.
"Vor kurzem habe ich sogar ein
Pferd beliehen", erinnert sich der Juwelier
und Edelsteingutachter, der sonst
keine Tiere annimmt. Grundsätzlich
wärden alte Waren von ihren Besitzern
eher verkauft und neue beliehen. Schwierig
sei es, Kredit auf Briefmarken- und
Münzsammlungen zu bekommen. "Die
Sammler sterben aus und das Angebot
ist größer als die Nachfrage. Das ist halt
ein aussterbendes Hobby", sagt Weber.
Scheuten die Kreditnehmer in der Vergangenheit,
gerade in ländlichen Gebieten,
den Gang zum Pfandleiher,
nehmen heute immer mehr Menschen
das Angebot an. Weber: "Wir haben
viele Kunden, die vor fünf Jahren
nicht gekommen wären. Die Hemmschwelle
ist kaum noch vorhanden."
Webers Geschäft ist für einige Bürger
ein letzter Rettungsanker, da sie bei
einer Beleihung keine neuen Schulden
machen. Für Andere ist es das Ausmisten
der familiären Schmuckbestände.
"Viele wollen ihr antiquarisches Erbe zu
Bargeld machen. Andere erhalten von
ihren Banken keinen Kredit mehr und
versetzen oder veräußern, was entbehrlich
ist", beobachtet der Firmenchef.
Das A und O für einen Pfandleiher ist
ein gutes Gespür für die Ware, damit ein
seriöser Beleihungswert herauskommt.
"Der Wert muss so gewählt werden,
dass man ihn zügig am Markt erzielen
kann", erklärt Ernst Weber. So könnte
etwa eine Uhr, ein Jahr alt, namenhafter
Hersteller, gängiges Modell, Neupreis
5000 Euro, mit etwa 1500 bis 2000 Euro
beliehen werden. Bei elektronischer
Ware, die laut Weber schwer zu schätzen
sei, wird das Internet zurate gezogen.
Plattformen wie Ebay und Co. erweisen
bei der Wertermittlung gute Dienste.
Ganz günstig ist die Beleihung der
elterlichen Kronjuwelen über einen
längeren Zeitraum nicht. So werden
bei einem Darlehen von 300 Euro der
gesetzlich vorgeschriebene Zinssatz
von einem Prozent pro Monat sowie
eine monatliche Vergütung von 6,50
Euro fällig. Aufs Jahr hochgerechnet
wären dies rund 38 Prozent oder
114 Euro, plus den Darlehensbetrag.
Deshalb gibt es viele, die in den vergangenen
Monaten ihre Ringe, Ketten,
Bestecke oder Goldkronen Weber zum
Kauf anboten. In kleinen Plastikeimern,
getrennt nach Art und Größe, sammelt
er die Bestände, bis sich das Einschmelzen
lohnt. Als handliche Barren verkauft
er die Rohstoffe an Großhändler weiter.
Damit er möglichst hochpreisige Ware
veräußert, überprüft der Fachmann das
Metall mittels Röntgenfluoreszenz-
Spektrometer. Dieses Gerät kann die
genaue Zusammensetzung der Ware
aufschlüsseln. "Es passiert immer wieder,
dass wir Fälschungen angeboten
bekommen", erklärt der Firmeninhaber.
Wer das Firmengelände des Pfandleihhauses
Weber und Weber Edelmetalle
in Zimmern betritt, für den ist der Gang
meist keine Verzweiflungstat. So kommen
Kunden aus einem Umgebungsradius
von 100 Kilometern und aus allen
Schichten, vom Hartz IV-Empfänger
bis zum Unternehmer. "Die Leute sind
froh, dass sie hier Geld bekommen",
sagt der Pfandleiher. Sicherlich gebe es
auch Härtefälle, wie die Mutter, die ihren
Fernsehapparat versetzte, um Essen
für ihre Kinder zu kaufen. Dies sei aber
die große Ausnahme, wie Weber betont.
Etwa 10-15 Prozent der Leihgaben werden
beim Leihhaus Weber nicht zum
Stichtag ausgelöst. Dann landet die Ware
in einer von drei Auktionen, die die Firma
jährlich veranstaltet. "Egal wie gut oder
schlecht es wirtschaftlich aussieht, es
gibt immer Leute, die günstig hochwertige
Sachen kaufen wollen", sagt Weber.

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